(mit CD, 10.00 DM)
Artefakt stellt für mich immer noch ein kleines Wunder in der deutschen Presselandschaft dar. Ganz out of the blue war es vor etwa 2 Jahren gestartet und hat geschafft, was seit geraumer Zeit nur ganz wenigen neuen Titeln im Markt gelungen ist - nämlich ein eigenes Profil zu entwickeln. Spontan fallen mir eigentlich nur noch de:Bug und econy ein, die ebenfalls neue Formate, neue inhaltliche Segmentierungen und, last not least, eine ganz eigene - formal zumeist strenge - Bildsprache hervorgebracht haben. Artefakt kommuniziert vor allem Klarheit: ein konsequent durchgehaltenes Seiten-Layout korrespondiert mit einem ebenso klaren Schreibstil. Selbstreferentielle Diskurse, die wie in Spex nur allzuoft einen Mangel an inhaltlicher Substanz kaschieren sollen, kommen ebensowenig vor wie das gefürchtete Gestammel, das man von anderen Industrial-Publikationen kennt.
Artefakt bemüht sich undogmatisch, die Old School anschlußfähig an die Techno-Entwicklungen zu halten; daraus resultiert eine Zusammensetzung Techno/Industrial, die sich in etwa invers zu de:Bug verhält. Das aktuelle Heft enthält unter anderem Berichte über Batchas, Ikeda, Voice Crack, Achim Wollscheid oder Leif Elggren. Im Gespräch mit dem Herausgeber Annibale Picicci bestand schnell Einigkeit, daß Artefakt und der SIAM·letter ziemliche Ähnlichkeit aufweisen in ihrem Zugriff auf das Feld Industrial. Wer es also immer noch bedauert, daß SIAM· nun online ist und trotzdem unregelmäßig erscheint, sollte sich Artefakt auf keinen Fall entgehen lassen; die anderen aber auch nicht. Angenehme Lektüre steht in Aussicht, in der neuesten Ausgabe sogar mit CD-Beilage von Column One/MSC.
Kontakt:
Artefakt, Teschner & Picicci, Gleimstr. 25, 10437 Berlin artefakt@monochrom.at http://www.monochrom.at/artefaktFranz Liebl
(# 1.00)
Wenn ich nach dieser Artefakt-Besprechung nun schreibe, daß es Datacide ist, das für mich die Magazin-Entdeckung der letzten Zeit darstellt, mag das zunächst absurd klingen. Doch Datacide mit Artefakt zu vergleichen, stellt sich als absolut sinnloses Vorhaben dar. Strenggenommen schreiben beide über Industrial, allerdings aus ganz unterschiedlichen Positionen. Während Artefakt aktuelle Geräuschmusik der Industrial-Tradition anschließt, feiert das etwa halbjährlich erscheinende Datacide die Wiedergeburt des Industrial aus dem Geiste des Hardcore-Techno und Hardcore-Jungle. Ein radikaler Perspektivwechsel, der, so zeigt das Ergebnis, absolut notwendig war. M. a. W., Datacide deckt den Bereich des Breakcore, Noisecore und Darkcore ab, der in Industrial-Kreisen bislang so gut wie unbeachtet geblieben war oder fälschlich mit Gabber oder ähnlich stupiden Auswüchsen gleichgesetzt wurde. (Der Leser sei daher auf die ausführlichere Breakcore-Darstellung im Special (II) dieser Ausgabe verwiesen.)
Für die Reinkarnation ist kein anderer verantwortlich als der Ex-Baseler Christoph Fringeli, der vor rund 10 Jahren ein Label und eine Zeitschrift namens Vision herausbrachte und Formationen wie Melx und 16-17 veröffentlichte. Nun operiert er mit der Homebase London und publiziert Datacide, das über harten Techno und harten Jungle mit hohem Lärm-Anteil schreibt und als Kulturzeitschrift dezidiert linke bis anarchistisch geprägte Positionen vertritt - was sich auch in einem Punk-Fanzine-inspirierten Layout äußert. Strenggenommen realisiert Datacide inhaltlich das, was Spex seit jeher lediglich vorgibt zu sein, aber nur in einem geschleckten Salon-Stalinismus gipfeln läßt. Datacide #5 greift unter anderem die auf der letzten ars electronica geführte Diskussion um den Infowar auf und enthält einen längeren Bericht über John Carpenter. Auch prominente Gastautoren sind vertreten, so etwa Matthew Fuller mit einem Beitrag über die Agentur Bilwet. Wer schon von diesen Artikeln angetan ist, wird bei der Rezension restlos in Begeisterung ausbrechen. Man kann ohne Übertreibung behaupten, daß Datacide den Bereich Noisecore, Breakcore, Darkcore etc. vollständig abdeckt. Die Rezensionen fallen kurz, aber hochgradig prägnant und geschmackssicher aus: Mehr muß man nicht über Platten schreiben, um sie verständlich und valide zu kommunizieren - eine Kunst für sich, wie der andernorts leidgeprüfte Leser immer wieder feststellen muß. Wenn ich also meine, daß Datacide für mich die wichtigste Entdeckung der letzten Jahre darstellt, so deswegen, weil es der Industrial-Szene so etwas wie ein Paralleluniversum eröffnet, das eine Entdeckung lohnt.
Kontakt:
b.m.jed London WC1N 3XX http://c8.com/Franz Liebl
(15.00 DM)
Nachdem die Feinsegmentierung des Zeitschriftenmarktes weitergeht, darf hier auch Odradek #3 in meiner Liste hochkarätiger Publikationen nicht fehlen. Mit knapp hundert Seiten stellt es beinahe eine Art Jahrbuch der Geräuschmusik dar und bedeutet schon deswegen keine Konkurrenz zu Datacide und Artefakt. Die Herausgeber, unter anderem die Musiker Felix Knoth von Klangkrieg und Günter Reznicek, verbinden mit dem Magazin eher einen Kunstanspruch und setzen der - etwa dreijährigen(!) - Erscheinungweise entsprechend eher auf Grundsatzartikel - ohne allerdings den Rezensionsteil zu vernachlässigen. Ob zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Exemplare von #3 verfügbar sind und wann die nächste Ausgabe erscheint, sollte man bei der Redaktion direkt erfragen.
Kontakt:
Odradek: Thomas Beck, Langenfelder Str. 56, 22679 Hamburg, Günter Reznicek, Armgartenstr. 14, 22087 Hamburg Felix_Knoth@magicvillage.de oder:gagarin@iworld.deFranz Liebl
(36FF incl. CD)
The Torture Never Stops. Bei TNT handelt es sich um das Pariser Gegenstück zum Londoner Datacide. Ähnlich enzyklopädisch behandelt dieses in etwa quartalsweise erscheinende Magazin den Bereich Speedcore, Noisecore und Breakcore. Ausgabe Nummer 6 weicht vom herkömmlichen Großformat ab, und paßt sich den 5"x5" der CD-Beilage an, was zu einem Umfang von immerhin 80 dicht mit Text gepackten Seiten führt. Der Rezensionsteil nimmt fast die Hälfte des Textvolumens ein. Da französische Rezensionen mir generell etwas blumig formuliert und schwer zugänglich erscheinen, erübrigt sich an dieser Stelle eine Aussage zur Effizienz des Schreibstils. Das übrige Heft wird im wesentlichen von Berichten über Musiker und Labels gefüllt, unter anderem auch mit Interviews mit alten Bekannten wie Costes. Die CD gibt einen guten Überblick über die im Heft verhandelte Musik; der Schwerpunkt liegt dabei auf französischen Produktionen. Auch im Fall von TNT lohnt natürlich ein Zugreifen, sofern man eines Exemplars habhaft werden kann. Allein die addressenliste der Verkaufsstellen im hinteren Teil liest sie wie ein Who Is Who französischer Techno-Plattenläden.
Kontakt:
TNT Cosmos, 49 rue Marcadet, F-75018 Paris kangooro@imaginet.frFranz Liebl
(FF 20)
Etwas konventioneller im Zuschnitt als TNT fällt ein neues französisches Magazin namens 18, Jardins aus, das aus dem Großraum Paris stammt. Irgendwo zwischen den Polen Postrock, Ambient und Industrial bewegt sich die Auswahl von Heft 2: Oval, Add N to (X), Pan Sonic und Mogwai markieren das Terrain, das kaum Überlappungen mit dem von TNT aufweist. Wie bei TNT wird jedoch eine umfassende und kommentierte(!) addressenliste, die sich zu Recht Tour de France nennt, zu einem unentbehrlichen Führer für die nächste Frankreich-Reise.
Kontakt:
Hugues Villette, 18 jardins Boieldieu, F-92800 Puteaux, guemas@francemultimedia.frFranz Liebl
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Japan 1997
ISBN 4-8387-0906-4
Hier haben wir ihn, den neuesten Hype aus Japan. Wo in J.-J. Beineix' Otaku noch vor wenigen Jahren Männer in Scharen ihre angebeteten Nympho-Idole fotografierten, nehmen nun die Nymphchen das selber in die Hand. Nymphchen fotograferen Nymphchen - but so what? Hiromix, eine 21-jährige Japanerin, ist natürlich schon allein deshalb interessant, weil sie angeblich von Nobuyoshi Araki entdeckt worden ist. Mode-Ikone und Rocksängerin in einer Band namens The Clovers ist sie obendrein - und damit schon eine neue Identifikationsfigur für den japanischen Feminismus. Trotz aller Verdächtigungen: Hiromix schafft es tatsächlich, in ihren Portraits die Qualitäten eines Jürgen Teller oder eines Wolfgang Tillmans aufscheinen zu lassen. Besonders eindrucksvoll geraten ihr immer wieder die Ansichten japanischer Städte, die so ganz anders als die Arakischen Schlünde aufgebaut sind: viel mehr Himmel-/Wolkenanteil aufweisend, dabei aber keineswegs entrückter erscheinend. Der vorliegende Band »Japanese Beauty« mit Mädchenaufnahmen, sein Vorgänger "Girl Blue" und ein weiterer, überformatiger Band mit den Stadtaufnahmen ergänzen sich daher thematisch sehr schön. Wer dann immer noch nicht genug hat, muß sich mit den zahlreichen, derzeit vor allem in Frankreich erscheinenden, Berichten in Magazinen wie Citizen k oder Purple Sexe über die Runden retten; denn das Cosmopolitan-Heft 5/98 mit einer Hiromix-Modestrecke ist bereits vergriffen. Überhaupt scheint tout Paris derzeit "We Love Hiromix" (O-Ton Time Out Paris) zu sagen, was ihrer Galeristin Nikki Diana Marquardt an der Place des Vosges nur recht sein kann: auch ein neuer, in Deutschland bei Steidl erschienener, Band war in der Capitale früher in den Plattenläden präsent als bei uns in den einschlägigen Kunstbuchhandlungen. Was einem wieder einmal zu denken geben sollte.
Franz Liebl
Setagaya Art Museum
Tokyo 1997
ISBN 4-473-01526-2
Japan und Gender-Diskurs, die zweite. De-Genderism, die Auflösung der Geschlechter-Dichotomie in ein freies Spiel partieller, kreativer Differenzen, war Thema einer Ausstellung im Tokyoter Setagaya Art Museum. An der Zerstörung der Geschlechtergrenzen waren namhafte Künstler beteiligt, so z. B. Robert Gober, Marina Abramovic, Eva Hesse, Mona Hatoum oder Matthew Barney. Fast noch faszinierender ist jedoch der Einblick, den der grell pinkfarbene Katalog in bezug auf asiatische Künstler und deren Auffassung vom Konzept Gender gewährt. Mitunter wird der Eindruck wach, daß sich dort schon die radikaleren Statements finden lassen, exemplarisch etwa an den Selbstfellatio-Portraits der Chinesin Liuming Ma festzumachen. Im übrigen wahrt der quadratische Katalog die bekannt hohen japanischen Produktionsstandards und ist für sich genommen schon ein Fest für Augenmenschen.
Franz Liebl
Ecole Nationale des Beaux Arts
Paris 1998
ISBN 2-84056-061-5
Nach den jungen Künstlern im Jahr 1997 (s. u.) lautete das 98er Motto der ENSBA-Herbstausstellung »Und jetzt!?«. Natürlich auf japanisch, denn der diesjährige November, der »Mois de la Photographie« 1998, war in der ganzen Stadt dem Thema Japan gewidmet. Die ENSBA ließ sich da nicht lumpen und veranstaltete eine höchst umfangreiche Leistungsschau mit japanischen Fotoarbeiten, Installationen und konzeptionellen Arbeiten. Wer sich hier einen Überblick jenseits der Weiermairschen Fotobandes verschaffen wollte, kam an einem Paris-Trip einfach nicht vorbei. Und die Mühe wurde durchaus belohnt. Für alle Daheimgebliebenen - warum wurde in Deutschland eigentlich nicht darüber berichtet? - ist immerhin ein umfangreicher Katalog erhältlich, der eine gute Ergänzung zu anderen wichtigen Publikationen wie »Liquid Crystal Futures« (Fruitmarket Gallery) und dem dänischen »Et andet Japan: Kunst, kunstnere og kunstinstitution i det moderne Japan« abgibt. Quälen Sie Ihren Buchhändler!
Franz Liebl
Sceptre
London 1997
ISBN 0-340-68558-1
Aus London, der Spiegel hat ausnahmsweise recht, kommen immer öfter lesenswerte Romane. Letztes Jahr war es das umwerfend komische "Bridget Jones's Diary" von Fielding, jetzt ist es "Deadmeat" eines Autors namens Q, was offensichtlich das Hippste unter der Sonne sein möchte. Wer Q nicht kennt, hat sicher schon von Sarah Champoins Readern »Disco Biscuits« gehört, einer Anthologie von Post-Blank-Generation-Autoren, in der er auch vertreten ist. Die Kunst des Jungle-Romans ist noch nicht hoch entwickelt, zwei nicht unbedingt aufregende Bücher aus dem Boxtree-Verlag namens »Bass Instinct« und »Junglist« legen Zeugnis davon ab. Da hilft nur, den Jungle durch D&B zu ersetzen - und schon flutscht die Sache. Q hat einen D&B-Roman geschrieben, der wie gesagt auf ultra-hippe Ingredienzen setzt, etwa einen Internet-Künstler, der in VRML programmiert und ganz offensichtlich mit Saatchi zu tun hat, Serienmorde an Kinderporno-Produzenten und einen Ich-Erzähler, der eine Vorliebe für Ozwald-Boateng-Klamotten hegt (9 Vigo St. in London, wer diesen Designer noch nicht kennen sollte). Die Szene-Namen kommen im Dutzend billiger: Doc Scott, Grooverider, Kemistry&Storm etc. etc. Trotz des drohenden Schicki-Overkills hat Q seine Geschichte gut im Griff und auch packend geschrieben. Der Multikulti-Slang wird fast in Lautschrift transkribiert, was die Sache nicht einfacher, das Enträtseln aber um so spaßiger macht. Die Geschichte hier im einzelnen aufzurollen spare ich mir und verspreche nur spannende Unterhaltung.
Franz Liebl
MIT Press
Cambridge, MA 1997
ISBN 0-262-07184-3
Alle möglichen Themen der Kunstgeschichte sind schon ad nauseam abgehandelt worden, doch eine Splatter-Kunstgeschichte dürfte bislang einmalig sein. Gothic war das Thema einer Ausstellung in dem meiner Ansicht nach viel zu wenig beachteten Institute for Contemporary Art in Boston. Die Ausstellung dauerte von April bis Juli 97, der Katalog wurde als umfangreiche Materialsammlung bei MIT Press veröffentlicht. Sämtliche Kunstformen werden in ihren Horror-Einflüssen untersucht und auf 220 rückwärts numerierten (!) Seiten behandelt. Besonders interessant ist ein Artikel von Csaba Toth, die in ihrem Aufsatz "Cancer in the System" den Industrial Gothic unter die Lupe nimmt. Ansonsten treffen wir auf Marilyn Manson, Mike Kelley, Alice Cooper, Tony Oursler, Douglas Gordon, David Lynch und viele andere alte Bekannte. In diesem Band wird Darkness als ein ein universelles Stilprinzip - ja gar Lebensgefühl - konstituiert, das sich keineswegs auf Drum & Bass und Industrial beschränken läßt.
Franz Liebl
Verlag Volk&Welt
Berlin 1997
ISBN 3-353-01115-3
Die Zitierkartelle funktionieren. Goebel & Co. danken im Vorwort Ulrich Beck. Der revanchiert sich mit einer Rezension an prominenter Feuilletonstelle in der SZ. Die Zeit schreibt eine Rezension, die keine ist, sondern eine Serie von Paraphrasen, der noch einmal das Originalzitat folgt. Die FAZ kann da nur noch fassungslos zusehen - die Fassungslosigkeit betrifft jedoch offensichtlich eher die Konkurrenz als das Buch selbst. Dabei läßt es sich so schön auf einen Nenner bringen: Die Tugend der Orientierungslosigkeit, mit ihrer affirmativen Aneinanderreihung von Alltagsfakten, die keiner keiner besonderen Erwähnung bedürften, markiert einen neuen Rekord auf der nach unten offenen Trendforscherskala. Vor 5 Jahren hat da Gerhard Schulze theoretisch anspruchsvoller und mit weit größerer Allgemeingültigkeit Aussagen über das Leben in der Unübersichtlichkeit postmoderner Zeiten gezogen. Und Ronald Hitzler hat die Individualisierungsthese von Beck schon vor Jahren als "Sinnbasteln" weiter gedacht, als es Goebel & Co. sich jemals vorstellen können ("Sinnbasteln: Zur subjektiven Aneignung von Lebensstilen", in: Mörth, I./Fröhlich, G. (Hg.): Das symbolische Kapital der Lebensstile: Zur Kultursoziologie der Moderne nach Pierre Bourdieu; Campus : Frankfurt/M. 1994; S. 75-92). So bleibt es erstaunlich, daß man mit 200 layoutmäßig und inhaltlich mühevollst gestreckten Seiten tatsächlich in die Feuilletons kommt. Lag es am hübsch-infantilen 3D-Titel? Auf eineinhalbseitige Mickerkapiteln wie "Postmoderne Putzteufel" kann man es sicher nicht zurückführen. Wer sich nicht ablenken läßt, schafft das Buch in 2 Stunden. Mehr als das sollte man auf keinen Fall dafür erübrigen. Leicht verdientes Zeilenhonorar also, das dem verblaßten Mythos Feuilleton endgültig den Gnadenstoß versetzt.
Franz Liebl
Ecole Nationale des Beaux Arts
Paris 1997
ISBN 2-84056-051-8
Transit - around the world, around the world... Unter diesem daftpunkesken Motto steht der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Ecole des Beaux Arts. 60 nach 60 heißt nicht die Zurschaustellung von Alterswerken, sondern gibt als dezidierte Ausstellung junger Kunst den Jahrgang der Beteiligten an. Fast ohne Tafelbilder, ist auch diese Veranstaltung ein Stelldichein von Video, Installation und Fotografie. 60 nach 60 ist es gelungen, bekannte und unbekannte Namen zu mischen, und dabei hohe Qualitätsstandards zu sichern. Heroes der jüngsten Zeit wie Pipilotti Rist, Inez van Lamsweerde und Maurizio Catellan treffen auf mir noch unbekannte Namen wie Timothy Mason (großformatige Fototryptichen), den deutschen Jakob Gautel, der weiblichen Hollywood-Stars Glatzen verpaßt, oder die Waldsterben-Chainsaw-Massaker-Installation von Malachi Farrell. Der aufwendig gemachte Katalog wird der Qualität der Ausstellung gerecht, wenngleich die Holzmaserung, mit der die Abbildungen der Werke hinterlegt sind, auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig erscheint.
Franz Liebl
kostenlos, erscheint unregelmäßig
Bei Etats limites handelt es sich dem Format und der Philoophie nach um so etwas wie eine Reinkarnation des frühen Vital vor seiner Online-Phase: ein Informations-/Newsletter im A5-Format mit 8 Seiten, wovon die Rezensionen den Löwenanteil einnehmen. Eingeleitet wird Ausgabe #5 mit einem Portrait/Interview zu Cold Meat Industry/Roger Karmanik. Die Rezensionen bewegen sich in gewohnten Bandbreiten, den Schwerpunkt eher auf der Dark-Seite setzend; Kontaktaddressen von Labels fehlen leider. Das bemerkenswerteste finde ich jedoch eine Auseinanderstzung mit Frankreichs neuem Schriftsteller-Star Michelle Houellebecq, dessen zweites Buch »Les particules élémentaires« derzeit in Frankreich für hitzige Diskussionen sorgen. Gerade weil das Houellebecq-Fieber nun auch bei uns auszubrechen beginnt (der Erstling »Ausweitung der Kampfzone« ist kürzlich in Übersetzung erschienen), kann man für die nahe Zukunft schöne Vergleiche anstellen.
Kontakt:
Fabien Elias, 12 rue de Lorraine, F-57180 Terville Jean-Michel Wagner, 5 place des Vosges, F-54000 Nancy elimites@sam.frmug.org http://dust.net/elimites/Franz Liebl
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Letzte Aktualisierung: 05-Mar-03 um 15:35 Uhr
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